kleiner Nachtrag von unterwegs…

Beim Warten auf den Bus nach London in Hannover habe ich mich mit einem 50-jährigen LKW-Fahrer unterhalten, der dort sein Ferabendbier trank (ich könnte mir dazu gemütlichere Plätze vorstellen, aber gut…). Die Rente mit 67 findet er unmöglich, so lange kann man als LKW-Fahrer nicht arbeiten, das ist unverantwortlich. Gegen den Krieg in Afghanistan ist er auch, die LINKE wählt er aber nicht, wegen der DDR. Das begründet er aber nicht mit Stasi, Mauer oder sonstiges Fiesheiten, sondern mit einer Anekdoten von seinen Verwandtenbesuchen dort: Die haben nämlich die Eier von ihren Hühnern für viel Geld an den Konsum ver- und dann billiger zurückgekauft. Die Schweine haben sie mit Brot gefüttert – auch aus dem Konsum. War ja alles so billig da. Und so kann ein Land doch wirklich nicht funktionieren. Kein Wunder, dass das dann bankrott gegangen ist.

So weit, so gut – solche Stories kenne ich übrigens einige, mein Deutschlehrer hatte sowas mit Kirschen auf Lager.

Bemerkenswerter fand ich was anderes: Weil der Mann ja der Meinung ist, im hohen Alter LKWs fahren ist irgendwann unverantwortlich, will er seinen Führerschein irgendwann verfallen lassen und aufhören. In seinem Alter werde ihn das Arbeitsamt schon nicht mehr in einen neuen Job drängen wollen, und da er sein Leben lang eingezahlt hat, werde er schon Arbeitslosengeld bekommen. Dass das mit dem ALG I dann irgendwann (nach 18 Monaten, meine ich) Asche ist und er von Hartz IV leben muss, wollte er mir nicht so richtig glauben. Da würde er gegen klagen, hat ja schließlich sein Leben lang eingezahlt, das kann ja gar nicht sein. Er hat auch noch selber vorgesorgt – aber dass er das Gesparte vielleicht erst mal ausgeben muss, bevor er ALG II bekommt, konnte ich ihm dann nicht mehr sagen, dann kam doch noch mein Bus. Hätte er vielleicht auch nicht geglaubt.

Was ich mich nach diesem Gespräch gefragt habe: Würde es mit den sozialen Unruhen vielleicht anders stehen in Deutschland, wenn erst mal alle mitbekommen würden, was so gespielt wird? Und was alles schon geltendes Recht der BRD ist?

3 responses to “kleiner Nachtrag von unterwegs…

  1. hm – das problem scheint ja zu sein, dass die leute irgendwie nicht glauben wollen, was alles schon so passiert. immer, wenn ich mit fakten aus dem deutschen alltag auffahre, fangen menschen an, nach gründen für persönliche frustration meinerseits zu suchen. das ist interessant: ein mensch aus meiner austauschgruppe hier sagt, dass leute, immer wenn er sagt, dass er vegetarier ist, nach fehlern darin zu suchen anfangen: “aber fisch isst du doch bestimmt? und was passiert wenn du aus versehen fleisch isst? aber komm schon, wenn du so ein schönes steak siehst, kannst du doch bestimmt auch nicht widerstehen….?” faszinierend, oder? die welt weigert sich tendenziell, große zusammenhänge erkennen zu wollen, sucht aber umso mehr nach individueller unfähigkeit. is ja kein wunder, dass der laden bankrott geht.

    nur am rande: gruselig, dass der blog sofort wusste, wer ich bin, was meine email-ad und meine hp ist, obwohl ich die suchmaske hier noch nie ausgefüllt hatte.

    • Ja, wobei der Mensch ja insgesamt schon fand, dass allgemein was schief läuft in der Gesellschaft (die Rente mit 67 etwa). naja, whatever

      nur am Rande: ich würde die Kentnisse über deine mailadresse etc. eher deinem browser als meinem blog zuschreiben…

  2. ja, und Schule bildet.
    Ich habe heute die erste LK-Klausur geschrieben und meine Lehrerin hat sich allen ernstes gewiegert anzuerkennen, dass Shakespreare möglicherweise Sonnet (Liebesgedicht der einen oder anderen Art) an einen anderen Mann geschrieben haben könnte. Das tut sie an und für sich schon länger aber heute hatte eine Schülerin Ausdrucke über die neueren Erkenntnisse der Shakespeareforschung mitgebracht (die genau diese Theorie bestättigten), die meine Lehrerin dann laut verlesen hat und schlicht mit dem Kommentar versah, dass ihr das alles zu kompliziert sei. Wir sollten, das einfach ignorieren und in unserer selbstverständlich Klausur davon ausgehen, dass das Gedicht an eine junge Lady gerichtet sei und überhaupt hätten wir doch den Shakespear im Film gesehen und sie könne sich ja nun so gar nicht vorstellen. Der sei ja bestimmt nicht (sie brachte das Wort homosexuell nicht über die Lippen) … aber das könne sie sich nicht vorstellen.
    Auf den Einwand, dass der Shakespear in dem Film sogar ziemlich zu Anfang eine Person küsst, die er für einen Mann hält, schrieb sie dann schlicht seiner besonderen (femininen?) Ausstrahlung zu. So nicht ist was nicht sein darf… Wobei ich den Eindruck habe, dass Homosexualität von erstaunlich vielen Menschen als nicht existent betrachtet wird.

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